Die Rolle der Beratungsdienste bei der Entscheidungsfindung der Landwirte über die Einführung einer technologischen Innovation (E-Glocken) in Norwegen

Norwegen, Sogn og Fjordane

Region

Der Bezirk Sogn og Fjordane liegt an der Westküste Norwegens. Die Region hat große Felder mit großen Bergregionen. Verglichen mit anderen Bezirken in Norwegen ist Sogn og Fjordane steil, mit unwegsamen Gelände, kleineren landwirtschaftlichen Betrieben und deutlich größeren Weideflächen.

Karte der Region

Der Bezirk hat den drittgrößten Anteil an Beschäftigten in der Landwirtschaft in Norwegen. Wichtig sind Nutztiere, Rinder und Schafe sowie an einigen Orten auch Ziegen oder Obst und Beeren. Die Hälfte der Ländereien ist Weideland für die Viehzucht (wobei Schafe am wichtigsten sind). Viele Schafzüchter sind Nebenerwerbslandwirte mit kleinen Betrieben. Einige von ihnen sehen den Betrieb eher als Hobby an. Da sie mit ihrem Hauptberuf ausgelastet sind, liegt ihr Fokus nicht auf der Produktion.

Dieser Fall wurde ausgewählt, weil er sowohl die Zusammenarbeit bei der Landbewirtschaftung als auch die Einführung einer neuen Technologie betrifft. Elektronische Glocken (E-Glocken) sind eine neue Technologie mit dem Potenzial, die nachhaltige Nutzung von Bergweiden zu verbessern. Die Technologie ist jedoch noch nicht vollständig entwickelt.

Schwerpunkt der Studie

Die Studie konzentrierte sich auf die Einführung elektronischer Glocken (E-Glocken), einer neuen Technologie, die es ermöglicht, die Bewegungen der Schafe während der Weidesaison nachzuverfolgen. Im Jahr 2009 erlitten viele Schafzüchter hohe Verluste durch große Raubtiere. Die Bezirksverwaltung startete daher ein Projekt, um den Schafzüchtern elektronische Glocken zu einem subventionierten Preis anzubieten, um zu testen, ob die E-Glocken dazu beitragen könnten, die Verluste von Tieren zu verringern.

Die Schafzüchter in der Region sind in Weidegruppen organisiert, die das Recht haben, bestimmte Weiden in den Bergen zu nutzen. Nur eine offizielle Weidegruppe konnte im Namen ihrer Mitglieder Subventionen für E-Glocken beantragen. Insgesamt wurden 21 Interviews mit Schafzüchtern in Sogn og Fjordane geführt, von denen 19 die E-Glocken einführten und zwei nicht. Darüber hinaus wurden fünf AKIS-Experteninterviews geführt.

Den vollständigen Bericht (auf Englisch) finden Sie hier


Partner und Ansprechpartner

Ruralis – Institut für Forschung für den ländlichen Raum und die Regionen

Gunn-Turid Kvam, gunn.turid.kvam@ruralis.no


Gewonnene Erkenntnisse

  1. Grundsätzlich stehen Schafzüchtern in dieser Region nur wenige Beratungsressourcen zur Verfügung. Daher haben sich die Landwirte auf die gegenseitige Beratung (Peer-to-Peer) über ihre norwegische Schaf- und Ziegenorganisation, eine nationale Fleischerzeugergenossenschaft und ihre lokalen Weidegruppen verlassen.
  2. Die kleinen Hightech-Unternehmen, die die E-Glocken verkaufen, sind eine potentiell wichtige Beratungsquelle, jedoch weit entfernt von der Region ansässig und daher für die Landwirte nicht erreichbar.
  3. Die Verbreitung der E-Glocken-Technologie war daher nur mit Unterstützung der Bezirksverwaltung möglich.
  4. Die Landwirte, die bereits über E-Glocken verfügen, empfinden diese als sehr nützlich und haben viel darüber gelernt, wohin sich ihre Schafe während der Weidesaison bewegen. Ohne gezielte Förderung und Beratung dürfte die langfristige Perspektive für die E-Glocken jedoch begrenzt sein, da der Preis für die einzelnen Landwirte zu hoch ist und eine Investition in die Glocken wirtschaftlich nicht sinnvoll ist.