Lebende Labor: Wiederaufbau einer lokalen Lebensmittelgemeinschaft durch nachhaltige Landwirtschaft und gemeinsame Aktionen

Friaul-Julisch Venetien, Italien

Das italienische Lebende Labor hatte das Ziel, die gemeinsame Entwicklung von Dienstleistungen und Instrumenten zur Unterstützung einer heterogenen Gruppe kleiner und mittlerer landwirtschaftlicher Betriebe, plus anderer Interessenvertreter, bei der Konsolidierung einer weizenbasierten Lebensmittelversorgungskette in Verbindung mit der genossenschaftlichen Bewirtschaftung von Gemeindeland zu fördern.

Kontext, Thema und Zielgruppe

Friaul-Julisch Venetien ist eine kleine autonome Region im nordöstlichen Teil Italiens, die an Österreich und Slowenien grenzt.
Einige Bereiche der Landwirtschaft, insbesondere der Weinbau, sind in der Region sehr gut entwickelt. Andere Bereiche leiden unter zahlreichen strukturellen Einschränkungen, wie z.B. kleinen Betriebsgrößen, alternden Landwirten, wenigen neuen Berufseinsteigern und schlecht organisierten Verarbeitungseinrichtungen in der Region. Zudem fehlt es an bezahlbarer und unabhängiger Beratung für kleine und mittelgroße Betriebe. Besonders vulnerabel ist der Ackerbau, dessen geringe wirtschaftliche Rentabilität zu umfangreicher Landaufgabe führt.
Die Region benötigt neue Ideen und innovative Lösungen. Die Rolle der „üblichen“ Berater bei der Unterstützung und Förderung von Innovationen ist jedoch begrenzt. Unterstützung für Innovationen für kleine und mittelgroße landwirtschaftliche Betriebe kommt hauptsächlich von anderen Akteuren wie Universitäten und lokalen NROs. Obwohl die Beratung landwirtschaftlicher Betriebe nicht deren Hauptaufgabe ist, sind diese Akteure sehr effektive Quellen für neue Ideen, die das stetige Wachstum sozialer Innovationen der Landwirte in der Region unterstützt haben. So wurden beispielsweise in den letzten zehn bis zwanzig Jahren eine Reihe von Initiativen für die gemeinsame Verwaltung natürlicher Ressourcen entwickelt.
Die „Genossenschaft D.E.S. Friul di Miec“ ist eines der innovativsten Beispiele für die Bewirtschaftung von Gemeindeland in der Region. Diese Initiative startete um das Jahr 2015, als eine Gruppe von Landwirten und Bürgern begann, ein Stück Gemeindeland in der Umgebung der Stadt Udine genossenschaftlich zu bewirtschaften.
Ziel war es, eine Lebensmittelversorgungskette auf Basis von Weizenanbau und -verarbeitung zu schaffen, die a) dazu beiträgt, die Stilllegung von Ackerflächen einzudämmen, b) den ländlichen Charakter der Landschaft zu erhalten, c) die Verarmung und Verschmutzung des Bodens zu reduzieren und d) gleichzeitig eine lokale und nachhaltige Quelle für Nahrungsmittel zu schaffen. Die meisten der beteiligten Landwirte haben kleine bis mittelgroße Betriebe und sind Nebenerwerbs- oder Hobbylandwirte. Auch die örtlichen Gemeinden und Bürger sind in die Bewirtschaftung der Flächen mit einbezogen. Die Initiative hat einen stetigen Bedarf an Dienstleistungen und Instrumenten für eine bessere unterstützende Beratung. Für den Betrieb werden vor allem agronomisches Wissen (über Fruchtfolge, Minimierung der Bodenbearbeitung, Sortenwahl usw.), aber auch klare rechtliche Vorgaben und Beratung für eine effizientere Verwaltung/Organisation benötigt.

Partner und Ansprechpartner

Vinidea srl

Gianni Trioli, gianni.trioli@vinidea.it

Vinidea ist ein im Jahre 1999 gegründetes Kleinstunternehmen, das Informationstransfer und Innovationsvermittlung für die Weinindustrie erbringt. Vinidea trägt wissenschaftliche und praxisnahe Neuigkeiten aus der ganzen Welt zusammen und stellt sie anschließend Agronomen und Önologen zur Verfügung. Das Vinidea-Team nutzt umfassend und effektiv alle verfügbaren Instrumente, um den Informationsaustausch zwischen den verschiedenen Weinfachleuten zu fördern: von klassischen Konferenzen bis hin zu Webinaren und Internet-Tools, Studienreisen, Artikeln, Audiovideos, Übersetzungen aus und in verschiedene Sprachen und Umfragen.

www.vinidea.it

Geschichte des Lebenden Labors

Die „Genossenschaft D.E.S. Friul di Miec“ ist eine wegweisende Initiative in Bezug auf die Bewirtschaftung von Gemeindeland, geht aber gleichzeitig auch viele der typischen Herausforderungen an, mit denen die Ackerbauern in der Region konfrontiert sind, wie z.B. die wirtschaftliche Nachhaltigkeit der Produktion und die Transparenz/Effizienz von Lagerung, Vermahlung, Verarbeitung und Vermarktung.
Vinidea hat eine Reihe von Interviews, Treffen und Veranstaltungen mit an der Genossenschaft beteiligten Landwirten durchgeführt und konnte so die Bedürfnisse der Gruppe ermitteln. Diese Phase des Living-Lab-Prozesses war auch wichtig, um die soziale Dynamik und das Machtgefüge innerhalb der Genossenschaft zu verstehen und die Rolle des Lebenden Labors in diesem Kontext zu definieren.
Die Teilnehmer des Lebenden Labors stellten fest, dass die Genossenschaft vor allem ein Beratungsinstrument benötigte, das Landwirte und andere lokale Unternehmen unter Berücksichtigung der besonderen Herausforderungen bei der Bewirtschaftung von Gemeindeland in der Region durch die verschiedenen Phasen der nachhaltigen Weizenproduktion und -verarbeitung führt. Hieraus entstand die Idee, gemeinsam eine „Broschüre“ mit Leitlinien für bewährte Praktiken und Problemlösungen zu erstellen. Die Landwirte waren begeistert von dieser Idee und halfen, die erste Fassung der Broschüre zusammen mit lokalen Experten zu erstellen. Anschließend wurden weitere Informationen und Fachwissen zur Weiterentwicklung der Leitlinien zusammengetragen.
Das Endergebnis war ein Instrument, das Landwirten und anderen Akteuren beim Anbau, der Lagerung und der Verarbeitung vor Ort angebauten Weizens sowie bei der Behandlung rechtlicher, wirtschaftlicher und verwaltungstechnischer Themen im Zusammenhang mit der genossenschaftlichen Bewirtschaftung von Gemeindeland helfen wird. Die Broschüre stellt ein neues Hilfsmittel für Projekte zur Bewirtschaftung von Gemeindeland zur Verfügung, für die es oft keine passende, auf ihre besonderen Bedürfnisse zugeschnittene Beratung gibt.

Gewonnene Erkenntnisse

Einbindung Trotz des erfolgreichen Ergebnisses des Lebenden Labors war es nicht einfach, die örtlichen Landwirte und übrigen Akteure in die im Lebenden Labor geförderten Mitgestaltungsprozesse und Design-Thinking-Aktivitäten einzubinden. Dies lag höchstwahrscheinlich am soziodemografischen Profil der Gruppe.

Weitere Informationen über dieses Lebende Labor (in englischer Sprache)

Practice Abstract 3 – Advice for diversified farming systems: the case of organic farming in Friuli Venezia Giulia, Italy (Vinidea)