Die Rolle von Beratungsdiensten bei der Entscheidungsfindung der Landwirte in Bezug auf Innovationen im Bereich des biologischen Pflanzenschutzes

Lettland, Vidzeme

Region

Vidzeme ist eine überwiegend landwirtschaftlich geprägte Region im Nordosten Lettlands – 34 % des Gebiets sind Ackerland und 56 % sind Wälder. Ein Fünftel aller lettischen landwirtschaftlichen Betriebe befindet sich in Vidzeme. Die durchschnittliche Größe der Betriebe liegt bei 31 ha (etwas über dem nationalen Durchschnitt von 29 ha). Milchkühe, Schafe, Getreide, Obst und Gemüse sind typische Spezialisierungen der landwirtschaftlichen Betriebe in Vidzeme.

Karte der Region

Vidzeme wurde ausgewählt, um die Einführung von Innovationen im Bereich biologischer (nicht chemischer) Pflanzenschutzverfahren zu untersuchen, da die Region den höchsten Anteil an Bio-Landwirtschaftsbetrieben in Lettland aufweist (7,5 % im Vergleich zum nationalen Durchschnitt von 5,3 %). Darunter befinden sich mehrere Bio-Pionierbetriebe in Lettland, die nach der Dekollektivierung der Landwirtschaft Anfang der 1990er Jahre gegründet wurden.

Schwerpunkt der Studie

Die ökologische Landwirtschaft wächst in Lettland schnell, unterstützt durch die Nachfrage der Verbraucher und staatliche Subventionen. Das Wissen der Landwirte über biologische Pflanzenschutzmethoden und deren Anwendung ist jedoch nach wie vor begrenzt.

Die Fallstudie untersuchte die Rolle der landwirtschaftlichen Beratung bei der Einführung innovativer Verfahren, wie dem gezielten Einsatz natürlicher Schädlingsbekämpfer (z. B. Marienkäfer und parasitäre Wespen zur Bekämpfung von Blattläusen), der Bereitstellung spezieller Unterschlüpfe für Nutzinsekten („Insektenhotels“) und dem Einsatz von pflanzlichen Extrakten. Die Fallstudie untersuchte die Rolle von Beratern bei der Entscheidungsfindung der Landwirte in den verschiedenen Phasen der Einführung einer Innovation, von der Bewusstmachung bis zur Bewertung und Umsetzung der Innovation.

Den vollständigen Bericht (auf Englisch) finden Sie hier


Partner und Ansprechpartner

Baltic Studies Centre

Emīls Ķīlis, emils.kilis@gmail.com


Gewonnene Erkenntnisse

  1. Die Landwirte in der Region hatten unterschiedliche und oftmals unklare Vorstellungen von biologischen Pflanzenschutzverfahren. Die zur Verfügung stehenden Verfahren wurden allgemein als traditioneller, natürlicher, umweltfreundlicher und gesundheitsverträglicher wahrgenommen und (unhinterfragt) akzeptiert, während die mit dem übermäßigen Einsatz einiger Methoden (insbesondere einiger Pflanzenextrakte und Schädlingsbekämpfungsinsekten) verbundenen Gefahren nicht beachtet wurden. Diese unkritische Wahrnehmung hatte Auswirkungen auf die Entscheidungsprozesse der Landwirte und darauf, ob sie sich über die Einführung neuer Verfahren beraten ließen oder nicht.
  2. Das zugrundeliegende Fachwissen über biologische Pflanzenschutzverfahren in der Region ist eine Mischung aus traditionellem/lokalem Wissen, das von früheren Generationen von Landwirten weitergegeben wurde, und neuem forschungsbasiertem Wissen, das von der modernen Wissenschaft geliefert wird. Die effektive Anwendung biologischer Pflanzenschutzverfahren erfordert daher eine ständige Aktualisierung des traditionellen Wissens durch neue Erkenntnisse und Verfahren, um den Landwirten zu helfen, sich an die veränderten Umstände anzupassen und die neuesten Entwicklungen optimal zu nutzen.
  3. Die Landwirte wurden von einer Vielzahl unterschiedlicher Akteure über den biologischen Pflanzenschutz in der Region beraten. Während offizielle landwirtschaftliche Beratungsorganisationen eine wichtige Rolle spielten, waren die meisten Beratungsquellen keine offiziellen Berater (z. B. kommerzielle Anbieter).
  4. Informelles Lernen spielte eine wesentliche Rolle bei der Verbreitung von Informationen und Beratung über biologische Pflanzenschutzverfahren in den Regionen. Dazu gehörte auch der informelle Austausch der Landwirte untereinander (z.B. zwischen benachbarten Betrieben) sowie innerhalb von Familien.
  5. Es wurde ein zunehmender Bedarf an unabhängigem Fachwissen von Forschern und Beratern festgestellt, um Bio-Landwirtschaftsbetriebe bei der Übernahme der Grundsätze und Praktiken der biologischen Schädlingsbekämpfung gezielt zu unterstützen. Kommerzielle Anbieter von Betriebsmitteln rieten oft zu einem größeren/intensiveren Einsatz ihrer Produkte als nötig.