Die Rolle von Beratungsdiensten bei der Entscheidungsfindung der Landwirte über Innovationen in der Direktvermarktung
Lettland, Pierīga

Region
Die Region Pierīga befindet sich im zentralen Teil Lettlands. Es ist eine überwiegend städtische Region, die die Hauptstadt Lettlands (Rīga) umgibt, was den Landwirten Zugang zu einem Gebiet mit einer höheren Dichte an Kunden mit höherer Kaufkraft verschafft. Die starke Interaktion zwischen Rīga und den umliegenden Gebieten der Pierīga-Region – in Bezug auf die Ströme von Menschen und Humanressourcen, Waren einschließlich Lebensmitteln und Kapital – bildet das Rückgrat des Geschäftsumfelds von Pierīga. Folglich verfügt sie über eine gute Infrastruktur und einen guten Zugang sowohl zur Hauptstadt als auch zu vielen regionalen Marktstädten. Dies hat es vielen Landwirten ermöglicht, die Direktvermarktung ihrer Produkte zu übernehmen.

Die Region ist in Bezug auf die sozioökonomischen und ökologischen Bedingungen sehr vielfältig. Die Landwirtschaft spielt in der regionalen Wirtschaft von Pierīga eine relativ geringe Rolle. Ackerland nimmt 26 % der Fläche ein, die durchschnittliche Betriebsgröße beträgt 28 ha. Die wichtigsten Betriebe sind der Getreideanbau, die Milchviehhaltung und die Schweinezucht. Im Jahr 2017 lag der Anteil der Wertschöpfung von Land- und Forstwirtschaft sowie Fischerei bei nur 3,7 %.
Schwerpunkt der Studie
Die Fallstudie untersuchte die vielen Formen der Direktvermarktung in der Region Pierīga, um die Vielfalt und die Rolle der landwirtschaftlichen Berater bei der Entscheidungsfindung der Landwirte in Bezug auf diese spezielle Form der Innovation zu ermitteln.

Bauernmärkte und andere Formen der Direktvermarktung – der Verkauf von Produkten ohne Zwischenhändler – sind wichtige Vertriebskanäle für Kleinbauern und Lebensmittelverarbeiter in Lettland. Diese Art, die Verbraucher zu erreichen, zeigt Anzeichen von Retro-Innovation. Sie beinhaltet eine Mischung aus traditionellem Wissen und Können und erfordert gleichzeitig einen ständigen Zufluss neuer Erkenntnisse und Techniken, die es den Landwirten ermöglichen, sich an die veränderten Umstände anzupassen und die jüngsten Entwicklungen zu nutzen. Viele Faktoren tragen zur erfolgreichen Übernahme solcher Innovationen bei, und die Verfügbarkeit von Beratung aus verschiedenen Quellen ist ein wesentlicher Bestandteil ihrer Übernahme.
Den vollständigen Bericht (auf Englisch) finden Sie hier
Partner und Ansprechpartner

Baltic Studies Centre
Emils Kilis, emils.kilis@gmail.com
Gewonnene Erkenntnisse
- Die Direktvermarktung von landwirtschaftlichen Erzeugnissen ist eine sich ständig weiterentwickelnde Praxis in Lettland, die altes und neues Wissen miteinander verbindet. Sie umfasst ein breites Spektrum an Marketing, organisatorischen und technologischen Innovationen, einschließlich E-Commerce, Logistik und anderen Dienstleistungen.
- Die Fallstudie hat gezeigt, dass eine erfolgreiche Direktvermarktung auf der Anwendung von Wissen beruht, das sowohl formell (z. B. von Beratungsorganisationen) als auch informell (z. B. durch Peer-to-Peer-Lernen) erworben wurde. Daher ist das Fehlen traditioneller Beratungsorganisationen ein weniger bedeutendes Problem als bei den eher technischen Aspekten der Landwirtschaft, so dass sich die Direktvermarktung in Lettland trotz der begrenzten institutionellen Unterstützung entwickeln konnte.
- Die Vertrautheit mit erfolgreichen Beispielen, geeignete materielle und infrastrukturelle Bedingungen, die Nutzung sozialer Netzwerke und die Vertrautheit mit der Praxis sind wesentliche Faktoren, um die Einführung innovativer neuer Handelsformen in kurzen Lebensmittelversorgungsketten zu fördern.