Lebenden Labors: Fruchtfolge zwischen landwirtschaftlichen Betrieben: Entwicklung innovationsfördernder Dienstleistungen und Instrumente

Trøndelag County, Norway

Ziel des norwegischen Lebenden Labors war es, die Entwicklung von Beratungsmethoden und -Instrumenten zu unterstützen, die die Zusammenarbeit zwischen Landwirten bei der Einführung vielfältigerer Fruchtfolgen – sowohl in den einzelnen Betrieben als auch „gemeinsam“ zwischen Betrieben – fördern, indem vielfältigere Kombinationen verschiedener Getreidearten, (gesätes) Wechselgrünland, Kartoffeln und/oder Gemüse darin einbezogen werden.

Kontext, Thema und Zielgruppe

Das Living Lab war in ein vom norwegischen landwirtschaftlichen Beratungsdienst Trøndelag (einer landwirtschaftlichen Genossenschaft) organisiertes Fruchtfolge-Projekt eingebunden. Die Hauptzielgruppen waren Berater der Genossenschaft sowie Landwirte in der Region.
Die Provinz Trøndelag liegt in Mittelnorwegen und ist mit insgesamt 5.600 landwirtschaftlichen Betrieben eine der drei wichtigsten landwirtschaftlichen Regionen des Landes. Milchwirtschaft und Getreideanbau sind die am weitesten verbreiteten landwirtschaftlichen Tätigkeiten. Ein erheblicher Anteil (31%) der Ackerfläche der Provinz wird für den Getreideanbau genutzt, wobei die speziellen Fruchtfolgen in der Regel 85 % Gerste, 10 % Hafer und 5 % Weizen umfassen. Ein kleiner Teil der Ackerflächen wird auch für den Anbau von Kartoffeln und Gemüse genutzt.
Die Fruchtfolgen in den einzelnen landwirtschaftlichen Betrieben der Region sind tendenziell stark spezialisiert und in einigen Fällen einfache Monokulturen. Es werden vielfältigere Fruchtfolgen benötigt, um a) die Bodenfruchtbarkeit, die Pflanzengesundheit und die Erträge zu verbessern, b) den Bedarf an Düngemitteln und Pestiziden (und damit die Kosten) zu reduzieren und c) den Landwirten folglich einen wirtschaftlichen Nutzen zu verschaffen. Eine Möglichkeit, zusätzliche Kulturen in die Fruchtfolge einzuführen, ist die Zusammenarbeit zwischen benachbarten Betrieben, insbesondere wenn die Nachbarn auf komplementäre Kulturen spezialisiert sind.
So könnte beispielsweise ein auf den Anbau von Gerste und Kartoffeln spezialisierter Ackerbaubetrieb, der neben einem Milchviehbetrieb liegt, Grasanbau für Silage in seine Fruchtfolge aufnehmen, während sein Nachbar im gleichen Zeitraum auf einer oder mehrerer seiner Grasflächen Gerste oder Kartoffeln anbaut.

Partner und Ansprechpartner

Ruralis

Egil Petter Stræte, egil.petter.strate@ruralis.no
Ruralis arbeitet mit dem Norwegischen Landwirtschaftlichen Beratungsdienst Trøndelag zusammen (Astrid Johansen, astrid.johansen@nlr.no)

Geschichte des Lebenden Labors

Das Lebende Labor startete im Herbst 2017. Anfangs konzentrierten sich die Aktivitäten des Lebenden Labors auf den Aufbau der Kommunikation, die Vertrauensbildung und die Organisation von Arbeitsabläufen mit dem Fruchtfolge-Projekt, in das das Lebende Labor integriert wurde.

Zwischen den teilnehmenden Landwirten, Beratern und Forschern wurden drei Haupt-„Dialoge“ entwickelt: Der erste Dialog erfolgte zwischen Beratern und Landwirten. Die Berater kontaktierten Gruppen von Landwirten mit Erfahrung in der Fruchtfolge, um von ihnen zu lernen. Der zweite Dialog fand zwischen Forschern und Landwirten statt. In persönlichen Gesprächen und Fokusgruppen erfuhren die Forscher, welche Bedingungen für die Zusammenarbeit mit den Landwirten am besten geeignet sind, und diskutierten mögliche Elemente eines neuen Beratungsdienstes. Der dritte Dialog erfolgte zwischen Beratern und Landwirten bei Treffen, in denen a) Wissen und Erfahrungen aus den mit den Landwirten geführten Gesprächen ausgetauscht wurden; b) diese Erfahrungen reflektiert wurden, und; c) Ideen und Konzepte für einen neuen landwirtschaftlichen Beratungsdienst diskutiert wurden.
Leider verzögerte sich das Mitgestaltungselement des Lebenden Labors und wurde nicht vollständig abgeschlossen. Hierfür gab es mehrere Gründe: Im Fruchtfolge-Projekt fand eine Reorganisation statt, mit neuer Projektinhaberschaft, neuer Projektleitung und einer Reduzierung von Budget und Aktivitäten. Daraus ergaben sich auch Auswirkungen auf das Lebende Labor. Der allgemeine Mangel an Wissen und Erfahrung mit der Living-Lab-Methode schränkte den Fortschritt bei der Umsetzung ein. Die landwirtschaftlichen Berater und die Forscher waren mit anderen Aufgaben beschäftigt und konnten sich nicht immer im Lebenden Labor einbringen. Das Living Lab lief gut an und alle Teilnehmer hatten ausreichend Zeit, einander kennenzulernen und die notwendige Offenheit und das benötigte Vertrauen zu entwickeln. Die Covid-19-Beschränkungen ab März 2020 stoppten das Lebende Labor jedoch, bevor der Mitgestaltungs-Prozess abgeschlossen werden konnte.

Gewonnene Erkenntnisse

Bestehen eines Problems oder einer Chance
Die Teilnehmer eines Lebenden Labors müssen erkennen, dass es ein Problem gibt oder aber eine Chance besteht, die es zu nutzen gilt. Andernfalls gibt es keine Grundlage für die Einrichtung eines Lebenden Labors und keine Motivation, sich einzubringen.
Partnerschaft und Zusammenarbeit
Die Teilnehmer eines Lebenden Labors müssen erkennen, dass die Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Partnern das Potenzial birgt, eine Lösung für ein Problem zu entwickeln oder eine Chance zu nutzen. Ein Lebendes Labor muss nicht unbedingt eine breit angelegte Partnerschaft mit vielen Teilnehmern sein; in einigen Fällen wird dies jedoch nötig sein.
Motivation, Engagement und Verantwortung
Die Teilnehmer müssen Verantwortung für den Living-Lab-Prozess übernehmen. Andernfalls wird es schwierig, zusammenzuarbeiten und Fortschritte zu erzielen. Ein Lebendes Labor muss daher realistisch durchführbar sein und so konzipiert und verwaltet werden, dass es auf die tatsächlichen Bedürfnisse der Teilnehmer eingeht. Bei fehlender Motivation kann es erforderlich werden, das Lebende Labor anzupassen und sich auf vorrangigere Bedürfnisse zu konzentrieren. Die Finanzierung sollte idealerweise vor Beginn des Projekts geklärt sein, damit die Teilnehmer wissen, dass sie über ein Budget verfügen. Alle Aktivitäten, die aus diesem Budget unterstützt werden sollen, sollten genau definiert werden.
Prozessbegleitung und Zusammenarbeit
Ein Lebendes Labor benötigt die Unterstützung eines Prozessbegleiters, der über die notwendige Kompetenz und Unabhängigkeit verfügt, um die Teilnehmer zu unterstützen, einschließlich derjenigen, die die Verantwortung für die Arbeit und/oder die Leitung des Prozesses übernommen haben. Gegenseitiges Vertrauen ist für die effektive Zusammenarbeit mit dem Prozessbegleiter unabdingbar.
Beratungsdienst
Die Errichtung eines Beratungsdienstes zur Unterstützung der Zusammenarbeit zwischen Landwirten zur Einführung von mehr „gemeinsamen“ Fruchtfolgen zwischen den Betrieben war eine komplexe und anspruchsvolle Aufgabe. Die Berater benötigten a) fachübergreifendes Fachwissen über die verschiedenen Fruchtfolgesysteme, deren Entwicklung sie unterstützten; b) die Fähigkeiten und Erfahrungen, um Gruppenberatungsaktivitäten ein- und durchzuführen, und c) spezielle Kompetenzen und Instrumente, um Mitgestaltungsprozesse zu erleichtern.

More info about the Norway Living Lab (in English)

Practice Abstract 7 – Crop rotation between farms in Norway: Developing innovation support services and tools through Living Lab (RURALIS)

Practice Abstract 44 – How to make a Living Lab work in an agricultural advisory service

Practice Abstract 50 – Factors delaying co-creation and progress of a Living Lab

Info on Ruralis website:

Blog post on AgriLink website: