Retro-Innovation bei der Diversifizierung von Milchprodukten

Spanien, Navarra und Baskenland

Region

Navarra und das Baskenland sind zwei kleine Regionen im Norden Spaniens. Die Milchproduktion von Kühen und Schafen ist in beiden Regionen von großer Bedeutung, in den letzten 10-20 Jahren ist die Vielfalt der Milchprodukte jedoch zurückgegangen. Viele Landwirte haben sich entweder auf die Herstellung von Idiazabal-Käse (einem hart gepressten Käse aus nicht pasteurisierter Schafsmilch) spezialisiert oder die Milch verkauft.  Infolgedessen gerieten die alten Rezepte und das vorhandene Wissen über andere Käsesorten zunehmend in Vergessenheit.

Karte der Region

In letzter Zeit haben Finanzkrisen, ungünstige Marktbedingungen und veränderte Verbrauchervorlieben die Landwirte in der Region dazu veranlasst, innovativ mehrere „alte“ Milchprodukte unter neuen Marken und mit neuen Vermarktungsformen wieder einzuführen (z.B. https://izoriabaserria.blogspot.com und http://www.jauregia.net/.  Diese Retro-Innovationsprodukte können potentiell die Rentabilität der Schaf- und Rinderzucht in den beiden Regionen verbessern, insbesondere wenn ein landwirtschaftlicher Betrieb gleichzeitig die Direktvermarktung eingeführt hat (wodurch zusätzliche Wertschöpfung entsteht).  Auf der anderen Seite führen diese neuen Geschäftsmöglichkeiten jedoch zu einer größeren Arbeitsbelastung, erfordern Investitionen und schaffen neue, komplexe technische und administrative Probleme für den landwirtschaftlichen Betrieb.

Schwerpunkt der Studie

Die Studie konzentrierte sich auf zwei unterschiedliche Phasen der Entscheidungsprozesse im Zusammenhang mit Retro-Innovationen bei der Diversifizierung von Milchprodukten.

In der ersten Phase unterstützten eine Reihe von nicht spezialisierten Beratern (die nicht unbedingt mit der Innovation in Verbindung standen), die das Vertrauen der Landwirte genossen, die Landwirte bei der Suche nach potenziellen Lösungen oder der Analyse der Durchführbarkeit verschiedener Optionen. Auch Verbände und Stellen für die Entwicklung des ländlichen Raums spielten in dieser Phase eine Rolle.

In der zweiten Phase suchten die Landwirte nach spezifischer Unterstützung im Hinblick auf die neuen Produkte. Lebensmittel-Forschungs- und -Innovations-Zentren erwiesen sich in dieser Phase als wichtige Quellen der Unterstützung. Mehrere von ihnen führen Projekte zur Förderung von mehr Retro-Innovation bei lokal produzierten Lebensmitteln durch. Im Baskenland gibt es auch Organisationen, sogenannte Managementzentren, die den Landwirten während des gesamten Entscheidungsprozesses gezielte Unterstützung (technisch, wirtschaftlich, in steuerlicher Hinsicht, in Bezug auf die GAP, etc.) entsprechend ihren spezifischen Bedürfnissen bieten.

Den vollständigen Bericht (auf Englisch) finden Sie hier


Partner und Ansprechpartner

INTIA

Noelia Telletxea, ntelletxea@intiasa.es

Gewonnene Erkenntnisse

  1. Die Auslöser für die Auseinandersetzung mit dieser Retro-Innovation waren a) die Notwendigkeit, neue Geschäftsmöglichkeiten und Lösungen für verschiedene Probleme des landwirtschaftlichen Betriebs zu finden, b) die Nachfrage nach neuen Produkten durch Stammkunden und c) der Generationswechsel auf den Höfen, insbesondere Töchter oder Söhne, die mit neuen Ideen und Strategien in den landwirtschaftlichen Betrieb einsteigen, etc.
  2. Die Retro-Innovation ist mit der Familie, der Gegend und der Tradition verbunden. Auch wenn es sich hierbei nicht um eine klassische Innovation handelt, bietet sie dennoch großes Potenzial als rentable Geschäftsmöglichkeit, die dazu beitragen kann, die Menschen vor Ort in ihren ländlichen Gebieten zu halten. Aber sie bringt auch Herausforderungen mit sich, wie z.B. (neben vielen anderen) die Einhaltung aller Hygiene- und Lebensmittelsicherheitsvorschriften.
  3. Die Entscheidung für eine Innovation ist ein langwieriger Prozess, der eine intensive Bewertung erfordert (Investitionen, Änderung von Anlagen, neue Rezepturen, etc.). In Bezug auf die Beratung, gibt es, wie oben beschrieben, zwei wichtige Phasen im Prozess der Entscheidungsfindung.