Die Rolle von Beratungsdiensten bei der Entscheidungsfindung von Landwirten in Bezug auf die Heuernte-Methoden von Kleinbauern
Rumänien, Braşov

Region
Der Kreis Braşov ist eine hügelige, gebirgige Region in Zentralrumänien. Die landwirtschaftlichen Flächen sind hauptsächlich (66 %) Dauergrünland und das vorherrschende Produktionssystem ist eine Form der traditionellen Weidewirtschaft (Schafe und Rinder). Die übrigen 34 % der landwirtschaftlichen Flächen werden für Ackerkulturen, z.B. für den Anbau von Getreide, Kartoffeln und Zuckerrüben, genutzt. Die Durchschnittsgröße der landwirtschaftlichen Betriebe im Kreis Braşov beträgt 4,8 ha und circa 85 % aller landwirtschaftlichen Betriebe sind kleiner als 5 ha.

Heu ist das am meisten verwendete Winterfutter für Schafe und Rinder. Traditionell erfolgte die Heuernte in Handarbeit. Dabei wurde das Heu mit einer Sense geschnitten, zum Trocknen liegen gelassen, regelmäßig gewendet, in Reihen geharkt und anschließend in Heuhaufen gesammelt – alles von Hand. Dieses traditionelle Produktionssystem verändert sich jedoch. In den letzten 10-15 Jahren hat sich die maschinelle Heuernte schnell durchgesetzt und ist nunmehr weit verbreitet.
Die maschinelle Heuernte reicht von der Verwendung kleiner, motorisierter Sensen, die zum Mähen des Grases von Hand geschoben werden, bis hin zu großen, traktorgezogenen Geräten zum Mähen, Wenden und Pressen (sowohl kleiner rechteckiger als auch großer runder Ballen). Einerseits stellt dies eine Modernisierung der traditionellen Heuerntetechniken dar, andererseits handelt es sich um eine Art Retro-Innovation, da das Heu nun in einer völlig neuen Form – dem „Heuballen“ – produziert (und üblicherweise verkauft) wird. Das Auftauchen von Heuballen in kleinen landwirtschaftlichen Betrieben im Kreis Braşov stellt ein neues Phänomen und eine „Revolution“ in der Grünlandbewirtschaftung dar.
Schwerpunkt der Studie
Die Studie konzentrierte sich auf den Wissensfluss zu und zwischen Landwirten, die maschinelle Heuerntetechniken einführen. Besonderes Augenmerk galt dabei der Frage, inwieweit sich die Wissenssysteme der Vorreiter und frühzeitigen Übernehmer der Techniken von den Wissenssystemen der Landwirte, die die Techniken nicht einführten, unterscheiden.

Für die schnell voranschreitende Mechanisierung der Heuernte im Kreis Braşov gibt es mehrere Gründe: a) sie erfordert weniger körperliche Anstrengung, was für die alternde Landbevölkerung wichtig ist; b) es werden weniger Menschen für die Heuernte benötigt, was wegen der Abwanderung und der abnehmenden Verfügbarkeit lokaler Arbeitskräfte wichtig ist, und c) sie ist viel schneller bei weniger Verderb. Allerdings fehlt es an Informationen, an denen sich die Landwirte bei den notwendigen Entscheidungen über die einzuführenden maschinellen Techniken (Innovationen) orientieren könnten. Die meisten der befragten Landwirte gaben an, dass sie sich auf ihre informellen Netzwerke aus Nachbarn und Kollegen (von denen einige aufgrund einer Tätigkeit in der Landwirtschaft im Ausland bewährte Verfahren weitergeben konnten) sowie frei zugängliche Informationen im Internet verlassen hätten.
Nur wenige der befragten Kleinbauern konnten sich neue Gerätschaften für die Heuernte leisten. Stattdessen importierten sie Gebrauchtgeräte aus dem Ausland. Die Importeure und Wiederverkäufer dieser Gebrauchtgeräte waren daher eine wichtige zusätzliche Beratungsquelle. Die Kleinbauern nutzten nicht die technischen und marktbezogenen Informationen, die den größeren Landwirten angeboten wurden, da mit diesen eher teurere und anspruchsvollere Technologien beworben wurden.
Die traditionellen Heuerntepraktiken sind wichtig für die Erhaltung der Artenvielfalt auf den naturnahen Grünlandflächen im Kreis Braşov, insbesondere auf den ärmeren Böden und/oder steileren Hängen der Hügel- und Bergregionen. Dem zunehmenden Trend zur maschinellen Heuernte wird durch die Verfügbarkeit von EU-Agrarumweltzahlungen (bis zu 100 EUR/ha) entgegengewirkt, die die Landwirte motivieren sollen, das Mähen (Sensen) und die Heuernte weiterhin von Hand durchzuführen.
Eine Besonderheit des Kreises Braşov war das Vorhandensein einer NRO, die die Kleinbauern aktiv über diese Agrarumweltzahlungen und die Bedeutung der Beibehaltung traditioneller Heuerntepraktiken informierte. Dies liegt an dem hohen Biodiversitätswert des Grünlands im Kreis Braşov und ist nicht repräsentativ für andere Teile Rumäniens.
Den vollständigen Bericht (auf Englisch) finden Sie hier
Partner und Ansprechpartner

Highclere Consulting (HCC)
Raluca Barbu, raluca@highclere-consulting.com
Gewonnene Erkenntnisse
- Es wurde festgestellt, dass das Wissenssystem, an dem sich die Kleinbauern bei der Einführung mechanischer Heuerntetechniken orientieren, auf vertrauten informellen Netzwerken aus Familienmitgliedern und benachbarten Landwirten beruht. Diese Tatsache spiegelt die Schwäche und Fragmentierung des rumänischen Beratungssystems wider. Auf Kreisebene gibt es zwar öffentliche landwirtschaftliche Berater, ihre Aktivitäten sind jedoch durch die geringe Personalausstattung und fehlende Ressourcen für Reisen zu den Landwirten eingeschränkt. Ihre Aktivitäten konzentrieren sich hauptsächlich auf die Unterstützung der Umsetzung des nationalen Plans zur Entwicklung des ländlichen Raums und weniger auf die spezifischen Bedürfnisse der Landwirte vor Ort.
- Die Fallstudie hat gezeigt, dass die Einführung von Innovationen trotz zahlreicher Herausforderungen dennoch möglich ist. Dies war jedoch vor allem eher auf die Entschlossenheit, Solidarität und Widerstandsfähigkeit der Kleinbauern als auf ein befähigendes Beratungsumfeld zurückzuführen.