Lebende Labore: Gemeinsam einen anderen Blick auf nachhaltigen Maisanbau werfen

Provinz Nordbrabant, Niederlande, und Flandern, Belgien
Ziel des niederländisch-belgischen Lebenden Labors war die Entwicklung neuer Beratungsinstrumente zur Verbesserung der Nachhaltigkeit des Maisanbaus für Futtermittel durch: 1) eine Veränderung der Sichtweise von Landwirten, Lohnunternehmern und Beratern hinsichtlich des Risikos der Wasserverschmutzung durch Nitratauswaschung und 2) die Erhöhung ihrer Fähigkeit und Bereitschaft, Maßnahmen zur Verringerung dieses Risikos zu ergreifen. Es bedarf breiterer Perspektiven für den Maisanbau, um einen Wechsel von kurzfristigen Entscheidungen für ackerspezifische Lösungen hin zu einer langfristigen Planung für stärker integrierte Lösungen für die gesamte Betriebsführung zu fördern.

Kontext, Thema und Zielgruppe
In den Regionen Nordbrabant und Flandern besteht die Landwirtschaft hauptsächlich aus intensiver Viehwirtschaft in Kombination mit Acker- und Gartenbau. Mais ist eine wichtige Futterquelle für die intensive Milchviehhaltung in der Region und viele Landwirte lassen den Maisanbau von Lohnunternehmern durchführen. Die Royal Agrifirm Group (https://www.agrifirm.com/Organisation/about-us/) bietet unabhängige Beratungsdienste an.



Aufgrund von Gesetzesänderungen und einer veränderten öffentlichen Wahrnehmung hat die Notwendigkeit zur Steigerung der Nachhaltigkeit des Maisanbaus in den letzten Jahren erheblich zugenommen. Es herrscht jedoch nach wie vor große Unsicherheit im Hinblick auf die Auswirkungen der Bewirtschaftungsmethoden der Landwirte auf die Wasserqualität, die Umsetzung der Rechtsvorschriften und die Durchführbarkeit der derzeit vorgeschlagenen Lösungen.
Die im Lebenden Labor zusammengeführten Hauptakteure waren Landwirte, Berater und Lohnunternehmer, die im Maisanbau in Nordbrabant und Flandern tätig sind. Darunter befanden sich auch Akteure, die bereits beim Projekt „Grondig Boeren met Mais“ (https://www.grondigboerenmetmais.nl/) in den Niederlanden zusammengearbeitet hatten.
Partner und Ansprechpartner
Wageningen University and Research
Jorieke Potters, jorieke.potters@wur.nl
Sowohl Wageningen UR als auch Innovatiesteunpunt verfügen über beträchtliche Erfahrung bei der Unterstützung der Einführung nachhaltigerer Anbaumethoden.

Innovatiesteunpunt
Melanie van Raaij, melanie.van.raaij@innovatiesteunpunt.be

Geschichte des Lebenden Labors
| Das niederländische AKIS ist ein sehr dynamisches System, das private Beratungsdienste mit staatlicher Forschungsförderung sowie verschiedenen Formen öffentlich-privater Partnerschaften zur Vernetzung der AKIS-Akteure verbindet. |
| Das Lebende Labor wurde in den Niederlanden zunächst auf der Grundlage eines bestehenden Netzwerks errichtet, das im Rahmen des Projekts „Grondig Boeren met Mais“ aufgebaut worden war (siehe oben). Als erster Schritt für das Lebende Labor wurden mehrere Sondierungsgespräche mit Landwirten, Beratern und Lohnunternehmern über ihre Sicht des Maisanbaus und die Herausforderungen und Möglichkeiten zur Verbesserung der Nachhaltigkeit geführt. |
| Die Gespräche ergaben deutliche Hinweise darauf, dass a) die Notwendigkeit, die bestehenden Maisanbaumethoden zu ändern vor allem durch die Umweltgesetzgebung bestimmt wird; b) Landwirte und Lohnunternehmer dementsprechend wenig Interesse oder Dringlichkeit in Bezug auf die Vornahme der notwendigen Änderungen zeigen, und c) landwirtschaftliche Berater nur eine begrenzte Rolle bei der Förderung eines nachhaltigeren Maisanbaus spielen |
| Dennoch wurden drei mögliche neue „Beratungsinstrumente“ identifiziert: Ein Entscheidungshilfe-Tool für Zwischenfrüchte. Beratungstouren zum Austausch von Erfahrungen und praktischen Erkenntnissen darüber, wie das Risiko der Nitratauswaschung verringert und die Wasserqualität geschützt werden kann. Eine Checkliste für Gespräche zwischen Landwirten, Lohnunternehmern und Beratern vor Beginn der Maisanbausaison – die sogenannte „Nachhaltigkeit am Küchentisch“. |
| Das Potential dieser Instrumente wurde mit Hilfe von Folgebefragungen, Treffen mit den Projektbeteiligten, einer Mitgestaltungs-Sitzung und drei Austausch-Besuchen zwischen Belgien und den Niederlanden weiter erkundet. Für die Entwicklung des Entscheidungshilfe-Tools für Zwischenfrüchte wurde eine Mitgestaltungs-Sitzung mit interessierten Akteuren organisiert. Obwohl die Teilnehmer ein ähnliches Interesse an der Entwicklung des Tools hatten, gelang es nicht, ein einziges Entscheidungshilfe-Tool für alle Landwirte zu entwickeln. Stattdessen entwickelte jeder Landwirt seine eigene Entscheidungshilfe für Zwischenfrüchte. Die Beratungstour entwickelte sich von einer organisierten Bustour mit Besuchen verschiedener landwirtschaftlicher Betriebe zu Nitratmessungen auf den Feldern der Landwirte des Netzwerks „Grondig Boeren met Mais“, gefolgt von einer breiteren Diskussion. Die Checkliste für die Küchentisch-Gespräche erwies sich als zu formell für die Gestaltung der zwischen Landwirten, Lohnunternehmern und Beratern erforderlichen Gespräche. |
Gewonnene Erkenntnisse
| Einbindung der Landwirte Es war schwierig, Landwirte und Berater aktiv in den Living-Lab-Prozess einzubinden. Obwohl ein nachhaltiger Maisanbau im langfristigen Interesse der Landwirte liegt, wird der Druck, die bestehenden Anbaumethoden zu verändern, von den Landwirten nicht direkt gespürt und nicht als dringendes Problem wahrgenommen. Der Druck durch die Gesetzgebung und die öffentliche Meinung wird nur indirekt gespürt. |
| Interessen und Austausch Die am Lebenden Labor beteiligten Akteure waren mehr an einem Erfahrungsaustausch über agronomische Praktiken als über Beratungsmethoden interessiert. Daher erwies es sich als schwierig, sich auf das Hauptziel des Lebenden Labors zu konzentrieren, „neue Beratungsinstrumente zur Steigerung der Nachhaltigkeit des Maisanbaus“ zu entwickeln. Darüber hinaus schien die größte Herausforderung bei der Beratung zur nachhaltigen Landwirtschaft nicht der Mangel an geeigneten Instrumenten oder Methoden zu sein, sondern schlicht die Tatsache, dass das Thema Nachhaltigkeit für alle beteiligten Akteure nur eine geringe Priorität besaß. |
| Mitgestaltung Alle am Lebenden Labor beteiligten Akteure waren sich darüber einig, dass ein Entscheidungshilfe-Tool für Zwischenfrüchte wünschenswert ist. Obwohl ein effektiver Mitgestaltungsprozess gefördert wurde, gelang es in der Praxis nicht, ein gemeinsames Instrument zu entwickeln. Hierfür gab es zwei Gründe: Allgemein konnten sich während der Mitgestaltungs-Sitzung nicht alle Teilnehmer (Landwirte, Lohnunternehmer und Interessenvertreter) auf den Inhalt des Unterstützungs-Tools einigen, da ihre individuellen Interessen sie in zu viele unterschiedliche Richtungen trieben. Insbesondere waren die am Prozess beteiligten Berater vorrangig daran interessiert, gute Beziehungen zu den Landwirten aufzubauen und zu pflegen, was die Entwicklung separater, auf die Bedürfnisse der einzelnen Landwirte zugeschnittenen Entscheidungshilfe-Tools begünstigte. |
| Umfeld und Kontext Trotz vieler Gemeinsamkeiten gestaltete es sich schwierig, eine tragfähige Verbindung zwischen der Provinz Nordbrabant in den Niederlanden und der Region Flandern in Belgien herzustellen. In der Praxis gelang es dem „Lebenden Labor“ nicht, eine „Brücke“ zwischen den gegebenen, sehr spezifischen Kontexten zu schlagen, da sich praktische Erfahrungen nicht effektiv von einem Kontext auf einen anderen Kontext übertragen ließen. Daraus lässt sich der Schluss ziehen, dass Lebende Labore sorgfältig auf den jeweiligen Kontext zugeschnitten werden müssen. Die Anknüpfung des Lebenden Labors an das Projekt „Grondig Boeren met Mais“ war gleichzeitig Chance und Gefahr. Durch das Projekt standen Ressourcen und ein bestehendes Netzwerk von Akteuren zur Verfügung, aber das Lebende Labor stand im Schatten des Projekts und wurde selbst nicht ausreichend wahrgenommen bzw. beachtet. |
Weitere Informationen über dieses Lebende Labor (in englischer Sprache)
Practice Abstract 37 – How is design thinking used in the living lab? (Innovatiesteunpunt)
Ein Artikel über dieses Lebende Labor (in niederländischer Sprache)