Die Rolle von Beratungsdiensten bei der Entscheidungsfindung der Landwirte in Bezug auf Innovationen zur Verbesserung der ökologischen Infrastruktur in Weinbergen
Douro, Portugal

Region
Douro ist eine vorwiegend landwirtschaftlich geprägte Region im Nordosten Portugals mit einer Fläche von 4.112 km2 Die Region ist in 19 Gemeinden unterteilt. Es handelt sich um ein dünn besiedeltes Gebiet, das gekennzeichnet ist durch einen langfristigen Bevölkerungsrückgang (Entvölkerung und Alterung), wie er für viele ländliche Gebiete Portugals typisch ist

Douro ist eine der ältesten ausgewiesenen Weinbauregionen der Welt und wurde im Jahr 1756 gegründet, um die Produktion und den Verkauf von Portwein zu regulieren und zu schützen. Das herausragendste Merkmal der Region Douro ist die Landschaft, die von Weinbergen (gestützt durch von Hand errichtete Steinmauern) dominiert wird, die an den steilen Hängen des oberen Douro-Tals angebaut werden. Die Einzigartigkeit dieser von Menschenhand geschaffenen Landschaft sowie die miteinander verknüpfte Geschichte, Sozioökonomie und Kultur, wurden von der UNESCO im Jahr 2001 mit der Erklärung zum Weltkulturerbe gewürdigt. Diese Auszeichnung trägt heute zum Erfolg der in der Region erzeugten DOC-Weine (Weine mit kontrollierter Ursprungsbezeichnung) bei und hat dabei geholfen, die Douro-Region zu einer weltweit bekannten Weinregion und einem beliebten Touristenziel zu machen.
Schwerpunkt der Studie
Die Fallstudie konzentrierte sich auf eine Reihe innovativer Strategien zur Verbesserung der mit den Weinbergen verbundenen „ökologischen Infrastrukturen“. Dieser Ansatz wurde ursprünglich in den 1990er Jahren von fortschrittlichen Winzern eingeführt und wird nun bei den Weinbauern der Region immer beliebter. Zu den neuartigen Strategien für ökologische Infrastrukturen gehört die Integration agrarökologischer Anbaumethoden (z. B. das Anpflanzen von Gras in den Weinbergen und auf den Hangterrassen) mit der Wiederherstellung und Verbesserung traditioneller Landschaftselemente (z. B. Hecken, Steinmauern, alte Rebstöcke, kleine Flächen mit Olivenhainen und andere einheimische mediterrane Vegetation).

Die traditionell mosaikartige Landschaft der Weinregion des oberen Douro-Tals erholt sich Stück für Stück, was zum Teil auf die Durchsetzung der Landschaftsschutzbestimmungen, vor allem aber darauf zurückzuführen ist, dass die Weinbauern die ökologischen und Marketing-Vorteile der „Renaturierung“ der Weinberge wiederentdeckt haben. Dies ist jedoch ein langfristiger Prozess. Die Strategien für ökologische Infrastrukturen sind weitgehend betriebsspezifisch und erfordern langfristige Investitionen in Feldversuche und Überwachungsmaßnahmen. Um erfolgreich zu sein, müssen die Weinbauern neue wissenschaftliche Erkenntnisse im Wege des kontinuierlichen Learning-by-Doing in ihr implizites lokales Wissen integrieren
Die Fallstudie betonte die Rolle einer innovativen Erzeugerorganisation, die im Jahr 1982 von einer führenden Gruppe von Weinbauern gegründet wurde, um sich selbst und die DOC Douro dabei zu unterstützen, die Herausforderungen zu meistern, die sich aus dem zunehmenden Wettbewerb auf den globalen Weinmärkten durch die steigende Zahl von Erzeugern aus Ländern der Neuen Welt ergeben. Diese Erzeugerorganisation wurde gegründet, um die Weinbauern zu stärken und sie in die Lage zu versetzen, globale Markttrends vorauszusehen und auf sie zu reagieren. Hierfür wurde in die Entwicklung starker „Back-Office“-Kompetenzen und -Fähigkeiten investiert, die eine intensive Vernetzung mit Forschungseinrichtungen und Fachleuten in aller Welt beinhalten. Ermöglicht wurde dies durch gut ausgebildete Berater, die direkt in Forschungs- und Innovationstätigkeiten eingebunden waren und die imstande waren, gemeinsam mit Forschern und Weinbauern neues Wissen zu erarbeiten.
Den vollständigen Bericht (auf Englisch) finden Sie hier
Partner und Ansprechpartner

Universität Trás-os-Montes e Alto Douro (UTAD)
Lívia Madureira, lmadurei@utad.pt
Gewonnene Erkenntnisse
- Die Verbesserung der „ökologischen Infrastrukturen“ in den Weinbergen der Region Douro wurde durch ein lokales „System für Wissen und Innovation“, basierend auf einer informellen Dreierpartnerschaft zwischen Winzern, Forschern und Beratern, sowohl gefördert als auch umgesetzt. Anschließend spielten informelle Peer-to-Peer-Netzwerke aus Betriebsleitern landwirtschaftlicher Betriebe, Weinbauern und Weinerzeugern eine wichtige Rolle bei der Konsolidierung und Verankerung dieses Wissens und dieser Innovation in der Region durch einen Prozess des Learning-by-Doing.
- Die Agrarumweltpolitik der EU hat seit den 1990er Jahren Beratungsleistungen für den integrierten Pflanzenschutz (IPM) in portugiesischen Weinbergen gefördert und war ein Schlüsselfaktor für die Einführung von Innovationen zur Verbesserung der ökologischen Infrastrukturen in den Weinbergen der Region Douro. Mit Hilfe der politischen Unterstützung für Berater konnten das von Landwirten und Forschern erlangte Wissen über die ökologischen Infrastrukturen und die von diesen erlangten, in diesem Bereich gesammelten Erfahrungen zusammengetragen und von den Beratern – von denen viele einen Abschluss an der UTAD erworben haben – besser vermittelt werden.
- Forschungs- und Innovationsprojekte, an denen viele verschiedene Akteure, darunter Landwirte, Forscher und Berater, beteiligt waren, spielten eine wichtige Rolle bei der Verbreitung der Innovationen im Bereich der ökologischen Infrastrukturen in der Region Douro. Die Bereitstellung von Finanzmitteln für diese Projekte hatte einen wichtigen Einfluss auf die Entwicklung von Innovationen zur Verbesserung der ökologischen Infrastrukturen in den Weinbergen der Region Douro.