Verbreitung einer Innovation für den integrierten Pflanzenschutz (IPM) beim Pfirsichanbau
Griechenland, Imathia

Region
Imathia ist ein Gebiet mit sehr intensiver Landwirtschaft in der Region Zentralmakedonien in Nordgriechenland. 41 % der landwirtschaftlichen Fläche in der Region sind mit Baumkulturen bepflanzt, 74 % davon mit Pfirsich- und Nektarinenbäumen.

Der Pfirsichanbau in Imathia wird von mehreren Genossenschaften organisiert, die einen bedeutenden Anteil am Weltmarkt für Dosenpfirsiche haben. Als Reaktion auf die sich wandelnden Märkte und die zunehmende Nachfrage der Verbraucher nach Umweltschutz und öffentlicher Gesundheit haben die Genossenschaften die Grundsätze und Praktiken des integrierten Pflanzenschutzes (IPM) übernommen, was auch die Einführung einer innovativen Methode, der sogenannten „Verwirrmethode“ (Mating Disruption – MD), umfasst, die den Brutzyklus der Schadinsekten unterbricht.
Schwerpunkt der Studie
Die Einführung der innovativen Verwirrmethode (MD) hat die lokalen Beratungsorganisationen vor besondere Herausforderungen gestellt. Die Einführung des neuen IPM-Verfahrens geschah sehr schnell mit Unterstützung von lokalen unabhängigen Beratern des Privatsektors (nicht der öffentlichen landwirtschaftlichen Dienste), die kurzfristig spezielle Seminare für die Landwirte organisierten. Dabei mussten sich diese unabhängigen Berater nicht nur mit einer Reihe neuer technischer Fragen befassen, sondern auch das Vertrauen und die Zusammenarbeit unter den Pfirsicherzeugern stärken, um eine breite und konsequente Übernahme des MD-Ansatzes zu ermöglichen.

Die Fallstudie konzentrierte sich daher auf die Entwicklung der Zusammenarbeit zwischen den lokalen Genossenschaften und privaten Beratungsunternehmen – insbesondere dem führenden Unternehmen -, um die Einführung und Übernahme der MD-Methode unter den zahlreichen Kleinbauern in der Region zu fördern.
Private Berater spielten eine wichtige Rolle, da sie die Landwirte in allen Phasen der Innovation unterstützten, indem sie wertvolles Wissen in persönlichen Kontakten und Seminaren weitergaben. Die Anzahl der Berater war jedoch begrenzt und der Informationsfluss zu den Landwirten hätte besser sein können. Andererseits wurde deutlich, dass das Interesse der Landwirte und ihre Bereitschaft zur Teilnahme an speziellen IPM-Seminaren mit dem Einfluss der lokalen Genossenschaften auf die Landwirte zusammenhing. Insofern wären eine etwas bessere Planung und Abstimmung von Wissensangebot und -nachfrage möglich gewesen.
Darüber hinaus spielte das führende unabhängige Beratungsunternehmen (das als erstes aktiv an der Einführung der MD-Grundsätze und -Praktiken beteiligt war) auch eine wichtige indirekte Rolle bei der Verbreitung der Innovation, indem es bei den zuständigen nationalen Behörden für dieses Verfahren warb. Auf diese Weise wurde die Förderung der MD-Methode in die IPM-bezogenen Agrarumweltmaßnahmen des nationalen Programms zur Entwicklung des ländlichen Raums in Griechenland aufgenommen. So wurde ein institutionelles Umfeld geschaffen, das den Landwirten die Einführung der Innovation ermöglichte.
Kommerzielle Anbieter von landwirtschaftlichen Geräten und Betriebsmitteln sind ebenfalls ein fester Bestandteil des regionalen Beratungssystems in Imathia und mussten ihren Ansatz und ihre Dienstleistungen an die Bedürfnisse der Pfirsicherzeuger anpassen. Die Lieferanten von Geräten und Betriebsmitteln spielen aufgrund ihrer Anzahl und ihrer Nähe zu den einzelnen Landwirten, auch zu denjenigen, die keiner Genossenschaft angehören, eine wichtige Rolle. In Bezug auf die Übernahme der MD-Methode trugen sie insbesondere zur Anpassung der Innovation bei, indem sie in der Anfangsphase der Einführung technologische Unterstützung und Material bereitstellten.
Schließlich wurde festgestellt, dass ein öffentliches Forschungsinstitut und andere lokale Behörden in der Region keine wichtige Rolle im IPM-Innovationsprozess spielten, so dass das System für Wissen und Innovation in der Landwirtschaft (AKIS) insgesamt recht schwach bleibt.
Den vollständigen Bericht (auf Englisch) finden Sie hier
Partner und Ansprechpartner

Agricultural University of Athens
Alex Koutsouris, koutsouris@aua.gr
Gewonnene Erkenntnisse
- Die Einführung des integrierten Pflanzenschutzes und die Verbreitung der MD-Innovation in Imathia sind ein Paradebeispiel für das klassische Beratungsparadigma, bei dem a) der wichtigste Anbieter von Beratungsleistungen durch seine Einbindung in ein Multiakteursnetzwerk von Forschern, politischen Entscheidungsträgern, Betriebsmittelindustrien und Händlern auf eine technische Innovation aufmerksam wurde und b) anschließend Aktivitäten initiierte, mit denen Berater bei den lokalen Landwirten ein Bewusstsein für diese technische Innovation schufen.
- Die schnelle Einführung der IPM-Innovation und die damit verbundene Umgestaltung der regionalen Beratungslandschaft wurde durch die Zusammenarbeit zwischen einer führenden Genossenschaft und einem unabhängigen Beratungsunternehmen initiiert. Dadurch wurden sowohl auf regionaler Ebene als auch auf nationaler Ebene (über die Agrarumweltzahlungen) die Voraussetzungen geschaffen und ein starker Impuls für die Übernahme der Innovation gesetzt. Außerdem wurde ein Beispiel geschaffen, dem andere Genossenschaften, unabhängige Beratungsunternehmen und Betriebsmittellieferanten in der Region folgten. Dies verdeutlicht das große Potenzial privater Berater und Genossenschaften, ihre Aktivitäten zu koordinieren und auf unterschiedliche Weise und verschiedenen Ebenen Innovationen einzuführen.